Dissertationsprojekt
Der Körper im Moment des Auf/Auslösens – Tanz und Fotografie (Arbeitstitel) Betreuung: Prof. Dr. Gabriele Brandstetter / FU Berlin

Abstract

Stand: 20. Februar 2010

Richten wir den Blick auf den Tanz durch die Linse der Fotografie. Der Tanz braucht den Fluss. Ohne Kontinuität in Raum und Zeit kann er sich nicht entfalten. Er ist tendenziell randlos. Die Fotografie aber muss dem Uferlosen Grenzen setzen. Nichts weniger als der Griff nach dem Unfassbaren steht auf dem Spiel.
In der Konfrontation mit dem Fleisch des Tanzes wirkt die Fotografie in der Geste des Auslösens brutal: Sie versteinert mit eiserner Hand. Der Tanz in seiner Flüchtigkeit im Hier und Jetzt flattert vor dem statischen Auge der fotografischen Linse wie eine leichtfüßige Provokation: Er muss stillgestellt werden. Jetzt! Hier! Auf einen Schlag muss er aus dem Gewebe der Wirklichkeit herausgeschnitten werden. Der Preis, den der Tanz für seine Verewigung im Bild bezahlt, ist hoch: Er geht seiner vermeintlichen Essenz, der Bewegung, verlustig.
In der Tanzfotografie zeigt sich, dass die Fotografie dem Tanz aber nicht nur etwas nimmt – seine Bewegung – sondern ihm auch etwas zurückgibt: Ein Geheimnis, dass nur das Kameraauge offenbaren kann.

Das Dissertationsprojekt "Der Körper im Moment des Aus/Auflösens – Tanz und Fotografie" betreut an der FU Berlin durch Prof. Dr. Gabriele Brandstetter, beschäftigt sich mit der als paradox bestimmten Kunst der Tanzfotografie aus einer wahrnehmungsästhetischen Perspektive, die die Widersprüche zwischen Stillstand und Bewegung, Dynamik und Stasis, Natürlichkeit und Kunst, zwischen Inszenierung und Zufall, zum Anlass nimmt, den Bild-Akt der Tanzfotografie im interartifiziellen Bereich zwischen Tanz und Fotografie als Phänomen der medialen Differenz zu betrachten.
Die Kontinuität der Fotografie erzeugt einen ‚anderen’ Blick auf Tanz, denn ein minimaler Moment der Kontingenz bringt das scheinbar ‚stille’ Bild im Blick der Rezeption in Bewegung. Dabei zeigt sich, dass der Tanz nicht ausschließlich Transitorik ist, die Fotografie nicht ausschließlich Stasis.